Über 2.000 Kinder, unzählige Fragen, leuchtende Augen – und vielleicht die eine oder der andere zukünftige Bodenforscher. Beim Kindertag des Rotary Clubs im Tierpark Hagenbeck verwandelte sich der Boden für einen Tag in das spannendste Klassenzimmer des Parks. Ziel war es, Kindern neue Zugänge zu Umwelt, Ernährung und Gesellschaft zu eröffnen.
Wir durften den Umweltbildungsstand zum Thema Boden entwickeln und hatten am Kindertag alles dabei, was es zum Entdecken braucht: unser Forschungsbike natürlich, Mikroskope, Bodenproben und ein extra gestaltetes, wunderbares Wimmelbild.
Vor Ort übernahmen dann engagierte Mitglieder des Rotary Clubs. Gemeinsam wurde so sichtbar, wie viel Leben sich direkt unter unseren Füßen verbirgt.
Vom Wimmelbild direkt in die Erde
Und das war gar nicht schwer. Das liebevoll gestaltete Boden-Wimmelbild der Illustratorin Ulla Schmidt zog die Kinder sofort in seinen Bann. Gemeinsam wurde gesucht, entdeckt und geraten:
„Ich sehe was, was du nicht siehst – und das baut gerade einen Haufen.“
„…und das kämpft gerade.“
„…und das gehört da eigentlich gar nicht hin!“
Und dann passierte etwas Spannendes.
Viele Kinder wollten plötzlich wissen, ob diese Tiere tatsächlich unter ihren Füßen leben. Aus dem Wimmelbild wurde eine Schatzkarte. Wer sich traute, griff selbst in die Erde, suchte zwischen Wurzeln und Krümeln und legte seine Funde unter das Mikroskop.
„Da lebt ja wirklich was!“
Was dort sichtbar wurde, sorgte immer wieder für offene Münder. Springschwänze, Käfer, Würmer und winzige Bodenbewohner, die vorher niemand bemerkt hatte.
Immer wieder hörten wir denselben Satz:
„Da lebt ja wirklich was!“
Genau das macht Umweltbildung so besonders: Aus einer Handvoll Erde wird plötzlich eine ganze Welt.
Selbst das Wetter wollte an diesem Tag mitspielen. Zwischen Sonnenschein und kräftigen Windböen wurden einige Regenwürmer für einen kurzen Moment zu „Flugwürmern“, als der Wind unsere Petrischalen vom Tisch wehte. Ein kleiner Schreck – und kurz darauf schon die nächste Entdeckung.
„Können wir den mit nach Hause nehmen?“
Der unangefochtene Star des Tages war der Goldlaufkäfer.
Kaum lag der schillernde Käfer unter der Lupe, sammelten sich die Kinder um den Tisch. Dass dieser Käfer Schnecken, Raupen und andere Bodentiere jagt, machte ihn sofort zum Publikumsliebling.
Ein Kind fragte seine Eltern am Ende tatsächlich:
„Können wir einen Goldlaufkäfer als Haustier haben?“
Zwei andere Kinder wollten herausfinden, wer stärker wäre – ein Hundertfüßer oder der Goldlaufkäfer. Diesen Wettkampf haben wir natürlich verhindert. Die Diskussion war aber die perfekte Gelegenheit, darüber zu sprechen, warum im Boden jedes Tier seine eigene Aufgabe hat.
Eine Handvoll Erde – tausend Geschichten
Mit jeder neuen Entdeckung wurde das Staunen größer.
Einige Tiere jagen. Andere zersetzen abgestorbene Pflanzen. Wieder andere lockern den Boden auf oder helfen dabei, Nährstoffe verfügbar zu machen.
Plötzlich war Erde nicht mehr einfach nur Erde.
Sie war ein lebendiger Kosmos voller Spezialisten, die gemeinsam dafür sorgen, dass Pflanzen wachsen können.
Lernen beginnt mit Staunen
An diesem Tag wurde einmal mehr deutlich: Kinder brauchen nicht zuerst Antworten.
Sie brauchen Gelegenheiten, Fragen zu stellen.
Ein Wimmelbild.
Eine Handvoll Erde.
Ein Mikroskop.
Mehr war oft nicht nötig.
Aus Staunen wurde Neugier. Aus Neugier entstanden Gespräche. Und aus Gesprächen wuchs ganz nebenbei ein Verständnis dafür, warum gesunde Böden die Grundlage für unser Leben sind.
Gemeinsam Wirkung entfalten
Mehr als 2.000 Kinder konnten an diesem Tag Natur nicht nur erklärt bekommen – sie konnten sie selbst entdecken.
Genau solche Erfahrungen entstehen, wenn engagierte Partner ihre Stärken zusammenbringen.
Der Rotary Club hat diesen Tag möglich gemacht und damit Tausenden Kindern die Chance gegeben, Natur mit eigenen Händen, eigenen Augen und eigenen Fragen zu erleben.
Für uns war es ein Tag, der zeigt, wie viel entstehen kann, wenn Neugier die Chance bekommt, sich zu entfalten. Und solche Tage sind weit mehr als einzelne Veranstaltungen. Sie sind oft der Anfang einer Beziehung zur Natur. Denn wer einmal selbst erlebt hat, wie viel Leben in einer Handvoll Erde steckt, schaut beim nächsten Schritt über eine Wiese vielleicht ganz anders hin.
Vielen Dank
Unser herzlicher Dank gilt dem Rotary Club für die Organisation dieses besonderen Tages und das Vertrauen, die Umweltbildungsstation gemeinsam mit uns zu gestalten.
